Unser Häuschen 
In dieser ruhigen Seitenstrasse, am Ende von Chudcice,
steht unser Häuschen. Das Gelbe in der Mitte. Es ist wohl eines der
ältesten im Dorf. Die Wände sind bis zu
80cm dick, und aus getrockneten, ungebrannten Lehmziegeln gemauert. Dadurch
haben wir hier ein gesundes Raumklima und eine super Isolierung. Heizen
tun wir das ganze Haus mit einem Kaminofen, in dem wir gutes getrocknetes
Eichenholz verfeuern. Das ist aus dem Wald, den Ihr hinter dem Haus seht.
Und nur von Bäumen, die der Wind gefällt hat. Natürlich
hat Papa auch eine computergesteuerte Zentralheizung eingebaut, aber die
springt nur an, wenn´s zu kalt wird, oder Papa zu faul ist zum Holz
hacken...
Das Dach ist komplett ausgebaut, und die beiden
Fensterlein oben unter dem Dach gehören zu meinem Zimmer. Unter dem
Haus ist noch ein alter Gewölbekeller mit Lehmboden. Der ist im Sommer
schön kühl, ideal zum Bier kalt stellen, sagt mein Papa.
Hier
schaut ihr in unsere Küche. Die hat Papa gemauert und gefließt,
die Türen hat er aus Nussholz geschreinert. Da gab es jede Menge Arbeit
beim Renovieren. Er mußte Wasserleitungen und Abflussrohre installieren,
eine Wand wegreissen und ganz viele Kabel in die Wände legen. Für
den Herd und die Steckdosen. Allein in der Küche haben wir zwölf
Stück. Mama hat erst gesagt, der Papa spinnt, weil er so viele Steckdosen
in der Küche einbaut. Heute ist sie froh, daß sie für ihren
Küchenmixer immer dort eine freie Sreckdose findet, wo sie eine braucht.
Insgesamt hat Papa fast zwei Kilometer Kabel im ganzen Haus
verlegt!
Am liebsten koche ich mit
Papa. Hier ist alles so stabil, dass ich überall drauf herumklettern
darf. Papa hat sowieso einen Stabilitätswahn. Papa meint, eine Küche
müsste es schon mal aushalten, wenn man den Motorblock vom Auto auseinandernehmen
will. Na ja, gut aussehen tut´s ja trotzdem, und praktisch ist die
Küche auch. Mama meint, das beste sei der Preis. Die ganze Küche
hat noch keine 300 Mark gekostet. Ohne die Elektrogeräte allerdings.
Von der Küche geht´s
direkt ins Ess- undWohnzimmer. Der Fussboden ist uraltes Eichenparkett,
das hat Mami selbst abgeschliffen mit einer wahnsinnig grossen und lauten
Schleifmaschine, und dann neu versiegelt.
Hier im Wohnzimmer spiele
ich am liebsten, hier ist auch immer am meisten los. Papa hat eine grosse
Regalwand gebaut, die ist fast nur mit meinen Spielsachen voll. Abends
sitze ich hier mit Mami auf dem Sofa und schaue im Fernseher das Abendmärchen.
Nur doof, dass der Kabelanschluss so oft spinnt. Papa sagt, das sei typisch
Chudcice:
Keine Kanalisation, aber Kabelanschlüsse, und die sind laufend gestört.
Unten im Haus sind auch
noch das Bad und Papas Büro. Oben sind die Schlafzimmer. Dort ist
es am ruhigsten. Nur nicht wenn ich da spiele!
Vor dem Haus ist noch ein
kleines Höflein. Da kann man im Sommer toll grillen. Und ein kleiner
Garten. Aber den müssen Mami und Papa erst noch machen. Papa muß
da noch eine alte Betonmauer wegreissen und ganz viele Pflanzen und Grass
hintun. Jetzt ist da noch ganz prima Chaos und wenn es regnet ganz viel
Matsch zum spielen!